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Über 40% der Krebserkrankungen bei Männern fallen in das urologische Fachgebiet. Dabei kann nur die Krebsfrüherkennung zu einer sicheren Heilung führen. Nur die Krebsfrüherkennung rettet Leben.

Historie

Vorsorgecheck bei Männern
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Krebsvorsorge = Krebsfrüherkennung

Krebsfrüherkennung  wurde in den  1970er Jahren von den gesetzlichen Krankenkassen eingeführt, um erstmals nicht erst nach Auftreten von Beschwerden eine Erkrankung zu diagnostizieren und diese dann zu behandeln, sondern prophylaktisch in der Frühphase eine Erkennung zu ermöglichen. Diese erste Form der Krebsfrüherkennung bei Männern beinhaltete das Abtasten der Prostata, das Messen des Blutdrucks und die Untersuchung des Stuhls auf okkultes Blut, im Sinne einer Darmkrebsfrüherkennung.
Vor einigen Jahren ist das Messen des Blutdrucks gestrichen worden, aber ab dem 55. Lebensjahr eine Darmspiegelung zur nachhaltigeren Darmkrebsfrüherkennung hinzugekommen. Trotz aller politischen Bekenntnisse, die Krebsfrüherkennung und die Steigerung der Eigenverantwortlichkeit der Patienten zu fördern, ist die Umsetzung bis auf die Darmkrebsfrüherkennung ausgeblieben. Der sich wiederholende ärztliche Appell an den Patienten, sich selbst zu beobachten und regelmäßig erweiterte Krebsfrüherkennungsuntersuchungen wahrzunehmen, darf deshalb nicht ausbleiben, bleibt er häufig genug doch die einzige Möglichkeit, den Patienten zu erreichen und ihn an die Krebsfrüherkennung zu erinnern.

Risiko

Da nicht für alle Krebserkrankungen die Entstehungsgeschichte sicher geklärt ist, ist eine sinnvolle Prävention nur bei einem Teil der häufigeren Tumoren möglich. Dabei muss selbstverständlich zwischen Prävention und Krebsfrüherkennung differenziert werden. Krebsfrüherkennung verhindert keinen Krebs, Krebsfrüherkennung macht ihn aber heilbar. Prävention hilft ihn zu verhindern.
Unter den vermeidbaren Risikofaktoren hat der Konsum von Tabak, insbesondere das Zigarettenrauchen, die größte Bedeutung. Ein Viertel bis ein Drittel aller Krebstodesfälle ist auf das Rauchen zurückzuführen. Ein weniger genau abschätzbarer Wert wird auf Übergewicht und Bewegungsmangel zurückgeführt. Unter den  ernährungsabhängigen Faktoren spielt außerdem ein zu geringer Anteil an Obst und Gemüse sowie regelmäßiger Alkoholkonsum heute eine vermutlich weit wichtigere Rolle als etwa Schadstoffe oder Verunreinigungen in Lebensmitteln. (RKI, 2011)
Hier spielt Prävention eine größere Rolle als die Krebsfrüherkennung.

Wie aus der Statistik des Robert-Koch-Instituts hervorgeht, fallen über 40% der Krebserkrankungen beim Mann in das urologische Fachgebiet. Die aktuellste im Jahr 2011 zur Verfügung stehende Statistik in Bezug auf Männer stammt aus dem Jahr 2006.

Von 230.000 Krebsneuerkrankungen bei Männern in Deutschland  im Jahr 2006 entfielen auf:

Häufigkeit Krebsart Fälle %
1. Prostatakrebs 60.120 26,2
2. Darmkrebs 36.300 15,8
3. Lungenkrebs 32.500 14,2
4. Blasenkrebs 19.360 8,4
5. Magenkrebs 10.620 4,6
6. Nierenkrebs 10.050 4,4
     
12. Hodenkrebs 4.960 2,2

Statistik der Krebsneuerkrankungen (Männer) - Robert-Koch-Institut

Von 112.000 Krebssterbefällen bei Männern in Deutschland im Jahr 2006 entfielen auf:

Häufigkeit Krebsart Fälle %
1. Lungenkrebs 28.900 25,7
2. Darmkrebs 13.700 12,2
3. Prostatakrebs 11.600 10,3
4. Bauchspeicheldrüsenkrebs 6.700 6,0
5. Magenkrebs 6.000 5,3
6. Nierenkrebs 4.100 3,6
     
10. Blasenkrebs 3.600 3,2
     
17 Hodenkrebs 150 0,14

Statistik der Krebssterblichkeiten (Männer) - Robert-Koch-Institut

Lediglich das Prostatakarzinom ist Bestandteil der Krebsfrüherkennung der gesetzlichen Krankenkassen im urologischen Bereich. Zu den anderen urologischen Tumoren gibt es seitens der Krankenkassen keine vorgesehenen Krebsfrüherkennungsuntersuchungen, obwohl diese mit geringem Aufwand durchgeführt werden können.
Zumindest zeigen die Statistiken, dass die Sterblichkeit an urologischen Tumoren deutlich geringer ausfällt als ihre Auftretenswahrscheinlichkeit. Das ist zum einen der teilweise sehr guten Therapieansprechrate, z.B. bei Hodenkrebs, aber auch der Entdeckung in früheren Stadien geschuldet, die insbesondere beim Prostatakarzinom auffällig wird. Hier zeigen sich erste Erfolge der Krebsfrüherkennungsuntersuchungen.

Prostata

Das mit großem Abstand häufigste Karzinom bei Männern ist das der Prostata. Das Abtasten der Prostata beim Mann ist allerdings keine Maßnahme, die eine sichere Krebsfrüherkennung ermöglicht, sondern setzt, je nach Lage des Tumors in der Prostata, eine Größe und ein Stadium voraus, das eher einer „Späterkennung“ entspricht. Wie bei den meisten Krebserkrankungen ist aber die rechtzeitige Entdeckung eines Krebses die Basis einer Heilung.
Im Rahmen der Krebsfrüherkennungsuntersuchung bei Männern ermöglicht die PSA-Bestimmung und die Durchführung der transrektalen Sonographie in der Kombination mit dem Abtasten die größtmögliche Entdeckungsrate.

Der PSA-Wert ((Prostataspezifisches Antigen) wird im Blut bestimmt. Es handelt sich um ein Protein, das beim Mann von allen Prostatazellen, aber insbesondere von Prostatakrebszellen in sehr großer Menge produziert wird. Bei der Bewertung des PSA-Ergebnisses muss auf mögliche harmlose Ursachen des Anstiegs geachtet werden, damit keine Fehlinterpretation erfolgt, aus der anschließend eine ungewollte invasive Überdiagnostik oder sogar Übertherapie resultieren könnte. Diesem Vorwurf muss sich die PSA-Bestimmung stellen; in der Hand des erfahrenen Urologen ist diese Gefahr jedoch weit geringer als angenommen!
Da 5-10% der Prostatakarzinome PSA-negativ sind, also ohne erhöhte Werte auftreten, kann auf das Abtasten beim Mann nicht verzichtet werden. Außerdem ermöglicht die transrektale Sonographie (Ultraschall mit der Sonde über den Enddarm)  der Männer, die Bewertung der Prostataareale, die mit dem Finger nicht erreichbar sind. Die erweiterte Krebsfrüherkennung hilft insbesondere bei dieser Tumorentität der Männer.

"Urologische" Organe der Männer
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"Urologische" Organe der Männer

Blase

Spezielle Urinuntersuchungen mit NMP 22 als Blasentumormarker sind einfach durchzuführen  und ermöglichen eine schnelle Krebsfrüherkennung der Blase.
Dabei bedarf es manchmal nicht einmal dieser speziellen Urinuntersuchung, um suspekte Auffälligkeiten zu entdecken. Schon beim Nachweis von Blut im Urin, auch wenn es geringe, nur unter dem Mikroskop nachweisbare Mengen sind, ist eine weiterführende Diagnostik angezeigt und somit eine Blasenspiegelung notwendig. Je früher die Krebsfrüherkennungsuntersuchung eine Auffälligkeit zu Tage fördert, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um ein heilbares oberflächliches Tumorstadium handelt. Auch hier zeigt sich die Bedeutung regelmäßiger Krebsfrüherkennung.

Niere

Hier ist eine einfach durchzuführende Ultraschalluntersuchung in der Lage, Tumoren ab einer Größe von 1cm relativ problemlos nachzuweisen.
Zu bedenken ist, dass Tumoren von drei, vier oder fünf Zentimetern Durchmesser keine Beschwerden verursachen und somit im Rahmen der Krebsfrüherkennung, wenn sie mit dem Ultraschall ergänzt wird, leicht als Zufallsbefund erkannt werden und dann operativ beseitigt werden können. Nur so ist eine Heilung möglich. Wenn Nierentumoren Beschwerden verursachen, dann deshalb, weil sie in die Umgebung einwachsen und sich somit im fortgeschrittenen Stadium befinden. Eine Heilung ist damit kaum noch möglich. Ein weiterer Beweis, dass Krebsfrüherkennung alternativlos ist und Leben retten kann.

Hoden

Beim Mann ermöglicht die einfache Abtastung und unterstützende Ultraschalluntersuchung eine schnelle sichere Abklärung, die durch hodentumorspezifische Blutuntersuchungen komplettiert werden kann. Da sich bei Männern der Altersgipfel des Hodenkrebses zwischen 20 und 40 Jahren befindet, ist eine frühzeitige Information männlicher Jugendlicher über die Möglichkeit der Selbstuntersuchung anzustreben. Der Hodenkrebs bei Männern ist auch im metastasierten Stadium aufgrund der guten Ansprechraten auf Chemotherapie bzw. Strahlentherapie so gut beherrschbar wie kein anderer Organkrebs. Leider ist die Kontrolle der Hoden bei Männern eine weitere, obwohl schnell und problemlos durchzuführende Prozedur, die nicht im Rahmen der gesetzlichen Krebsfrüherkennung vorgesehen ist.

Zusammenfassung

Krebsvorsorge für Männer
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Krebsfrüherkennung rettet Leben

Aus Sicht des Urologen ist die erweiterte Krebsfrüherkennung absolut empfehlenswert, weil sie einfach durchführbar ist und in der Bewertung durch den erfahrenen Fachkollegen eine sehr hohe Aussagekraft hat. Bei Männern gehören dazu die Urinuntersuchung, ggf. in Kombination mit dem NMP 22-Test, die körperliche Untersuchung mit Abtasten der Prostata und des äußeren Genitale, die Sonographie der Blase, der Nieren, die transrektale Sonographie der Prostata und die Bestimmung des PSA-Wertes. Auch für Männer gilt: Nur die Krebsfrüherkennung kann zu einer sicheren Heilung führen. Nur die Krebsfrüherkennung rettet Leben.

Autor: Dr. med. Holger Lange, Facharzt für Urologie, Hirschstr. 31,  70173 Stuttgart
Stand: 12/2011