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Video – Interview zur Vorsorge und Früherkennung beim Prostatakrebs

Im Herbst 2013 wurde ich vom Gesundheitsmagazin-TV als Interview-Gast eingeladen. In diesem Interview beantworte ich u.a. Fragen zur Krebsvorsorge, Krebsfrüherkennung, Methoden der Früherkennung und Untersuchungsmethoden.

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In diesem Interview beantworte ich u.a.

  • Fragen zur Krebsvorsorge
  • Krebsfrüherkennung
  • Krebsfrüherkennung
  • Untersuchungsmethoden.

Das Interview im (ungefähren) Wortlaut

Hallo und herzlich willkommen zum yourFirstmedicus Gesundheitsmagazin. Zu Gast bei uns im Studio ist heute Herr Dr. Lange, Facharzt für Urologie aus Stuttgart.

Schönen guten Tag Herr Dr. Lange.

Guten Tag Herr Peter, vielen Dank für die Einladung.

Herr Dr. Lange, wenn wir heute von Vorsorge sprechen, warum sollte der Mann Vorsorgeuntersuchungen durchführen lassen?

Zunächst möchte ich etwas zum Begriff der Vorsorge sagen: Wir können durch die Vorsorgeuntersuchung keinen Krebs verhindern. Wir können aber dafür sorgen, dass eine Krebserkrankung früh erkannt wird. Und Früherkennung heißt: wir haben die Chance zur Heilung. Nur ein Krebs, der früh erkannt wird, also auf das entsprechende Organ begrenzt ist, kann im Normalfall geheilt werden. Eine der wenigen Ausnahmen ist der Hodenkrebs, der auch im fortgeschrittenen Stadium noch durch Operation, Chemotherapie oder Bestrahlung in den Griff zu bekommen ist.

Ab wann sollten regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen durchgeführt werden?

Da müssen wir unterscheiden. Grundsätzlich hat ein gesetzlich versicherter Mann ab dem 45. Lebensjahr Anspruch auf eine jährliche Vorsorgeuntersuchung, die das Abtasten der Prostata, eine körperliche Untersuchung und die Untersuchung der Haut mit einschließt. Ab dem 50. Lebensjahr kommt der Darmkrebsaspekt hinzu, in Form einer jährlichen Untersuchung auf okkultes Blut im Stuhl. Ab dem 55. Lebensjahr wird einmalig eine Darmspiegelung erstattet.

Diese Untersuchungen decken aber nicht das ganze Spektrum ab?

Da haben Sie Recht, deshalb habe ich gerade gesagt: wir müssen unterscheiden. Wenn Sie bedenken, dass über 40% aller neuen Krebserkrankungen des Mannes ins urologische Fachgebiet fallen und sich Prostata-, Blasen- und Nierenkrebs unter den 5 bis 6 häufigsten Krebserkrankungen des Mannes befinden, ist es eine Überlegung wert, diese Organe in die Früherkennung zu integrieren bzw. im Falle der Prostata die Kontrolle durch Methoden zu ergänzen, die nicht nur dem 70er-Jahre-Standard entsprechen.

Wie sehen diese Untersuchungsmethoden aus? Was meinen Sie im Einzelnen?

Nun, um mit der Blase anzufangen: Ein einfacher Urintest kann Hinweise auf Tumoren geben und somit zu einer frühzeitigen Erkennung eines Blasentumors führen. Blasentumoren im Frühstadium sind sehr gut behandelbar und heilbar! Oder die Nieren: Diese sind für Ultraschalluntersuchungen hervorragend gelegen. Man kommt leicht dran, es tut nicht weh. Nierentumoren, die 2, 3, 4 oder 5 cm groß sind, verursachen in der Regel überhaupt keine Beschwerden. Sie lassen sich aber ganz einfach im Ultraschall erkennen. Der Patient kann erfolgreich therapiert werden und ist anschließend gesund. Wenn wir erst warten bis ein Nierentumor Beschwerden oder Symptome verursacht, haben wir es meist schon mit einem fortgeschrittenen Stadium zu tun. Dann wird eine Heilung schwierig.

Gibt es noch weitere sinnvolle Untersuchungen? Bei der Prostata sprechen Sie den 70er-Jahre-Standard an, der in Form des Abtastens  von den gesetzlichen Krankenkassen ausschließlich angeboten wird.

Ja, Sie spielen auf den PSA-Wert an. Das PSA, die Abkürzung für Prostataspezifisches Antigen, ist ein Marker, der im Blut bestimmt wird. Ein Marker, der insbesondere von Prostatakrebszellen produziert wird, aber in erheblich geringerem Maße auch vom normalen gesunden Prostatagewebe. Und das macht jetzt die Schwierigkeit in der Interpretation des PSA-Wertes aus.

  1. Je größer die Prostata, desto mehr PSA produziert auch ein unschuldiges, tumorfreies Organ.
  2. Äußere Einflüsse können die gesunde Prostatazelle veranlassen, mehr PSA auszuschütten: z.B. Entzündungen der Prostata oder der Harnwege oder mechanische Beanspruchungen wie eine größere Fahrradtour in den Tagen vor der Blutabnahme. Aber auch verstärkte sexuelle Aktivität kann zu harmlosen vorübergehenden PSA-Erhöhungen führen. Diese Einflüsse sind individuell verschieden, aber in einer Kontrolle auch wieder rückläufig.

Und deshalb ist es so wichtig, die Bewertung eines PSA-Tests patientenspezifisch und individuell durchzuführen. Insbesondere der historische PSA-Verlauf eines Patienten über mehrere Jahre, immer in Korrelation mit der Prostatagröße und dem Ausschluss äußerer Einflüsse bringt uns dann aussagekräftige Ergebnisse. Diese individuelle Bewertung führt zu einer Vermeidung einer etwaigen Überdiagnostik und verringert schließlich auch die Verunsicherung für den Patienten, bei dem natürlich bei schwankenden Werten Ängste auftreten können.

Die kontroversen Diskussionen zum Thema PSA in den Medien schüren die Verunsicherung und helfen dem einzelnen Patienten nicht, der vielleicht genauer als es mit der Fingertastuntersuchung möglich ist, wissen will, ob er einen Prostatakrebs hat oder nicht. Die Interpretation der Werte, die Aufklärung des Patienten durch den Arzt mit Ansprechen aller Vor- und Nachteile, das ist die Kunst, die heutzutage vom Urologen gefordert werden muss. Aber auf den Punkt gebracht: 90% der Prostatakarzinome werden heute durch den PSA-Wert entdeckt.

Herr Dr. Lange, das war eine detaillierte Ausführung, aber einem wichtigen Bestandteil der Früherkennung geschuldet. Zum Abschluss: Gibt es in der Vorsorge zwischen Mann und Frau Unterschiede?

Grundsätzlich sind Frauen viel konsequenter in der Wahrnehmung ihrer Vorsorge. Frauen gehen mehr als dreimal so häufig zur Vorsorge als Männer. Das liegt aber daran, dass heutzutage junge Frauen im Rahmen der Empfängnisverhütung sehr viel früher einen Bezug zum behandelnden Gynäkologen aufbauen als wir Männer, die wir ja gar nicht auf die Idee kommen, uns kontrollieren zu lassen, wenn noch gar keine Beschwerden bestehen. Das ist eine männliche Eigenart. An dieser Stelle muss der Gedanke der Früherkennung einfach noch stärker gefördert werden. Eigenverantwortung ist gefragt. Beispielsweise:  wenn ich weiß, dass in meiner Familie Tumorerkrankungen gehäuft auftreten, dann gehe ich vielleicht nicht erst mit 45 Jahren, sondern 5 oder 10 Jahre früher zu einer Früherkennungsuntersuchung. In welchen weiteren zeitlichen Intervallen Folgeuntersuchungen dann anschließend stattfinden sollten, muss im Einzelfall entschieden werden.

In jedem Fall gilt aber, dass, wenn heute bei der Untersuchung alles in Ordnung ist und ich im Jahresrhythmus die nächste Kontrolle durchführen lasse, ein in der Zwischenzeit  aufgetretener neuer Tumor in aller Regel so rechtzeitig entdeckt werden kann, dass er geheilt werden kann. Also noch einmal und es kann nicht oft genug wiederholt werden: Früherkennung ist wichtig, nur Früherkennung führt zur Heilung!

Vielen Dank Herr Dr. Lange.

Vielen Dank auch an Sie.